|
|
Wo "gutes Bier verabreicht" wurde und der Dichter Theodor
Storm zu Gast war
Dank seiner zentralen Lage zählte der "Eichfelder Hof", in unmittelbarer
Nähe des Rathauses gelegen, bereits in vergangenen Jahrhunderten
zu den ersten Häusern am Platze. Prozessionen führten und führen
hier entlang, Kutschen fuhren vor, es gab einen Ausspann für die
Pferde. Da Heiligenstadt erst Mitte der sechziger Jahre des 19.
Jahrhunderts einen eigenen Eisenbahnanschluss erhielt, nahmen Reisende
mit der Postkutsche ihren Weg durch das Zentrum des Städtchens,
von Mühlhausen, Nordhausen und Erfurt kommend nach Göttingen, Kassel
und Eschwege sowie umgekehrt. Zeitzeugen wussten von Frachtwagen
zu berichten, die sich noch in den erwähnten sechziger Jahren in
doppelter Reihe in der ganzen Wilhelmstraße einfanden.
Wer also in solch exponierter Lage ein Restaurant oder Hotel betrieb,
hatte als Geschäftsmann große Chancen, noch dazu, wenn er gutes
Bier zapfte.
Wer in historischen Zeitungen der Region blättert, wird dort gewiss
auch Annoncen finden, in denen sich das Haus seinen Gästen präsentiert.
Verwiesen wird hier auf den Luxus von fließendem Wasser, warm und
kalt, auf das Vorhandensein von "Autogaragen" und auf einen ganz
besonderen Service: Weil Reisen häufig mit Unbequemlichkeiten verbunden
war, wollte der "Eichsfelder Hof" die am Bahnhof ankommenden Gäste
für ihre Strapazen entschädigen und warb mit dem Angebot, der Hoteldiener
erwarte die Reisenden am Bahnhof.
"Der heutige ‚Eichsfelder Hof' gehörte ehemals zu den kurmainzischen
Freihäusern. Schon 1671 wohnte dort ein Johann Christoph Schoth.
1739 wurde bei dem großen Brande auch dieses Gebäude vernichtet
und vom Stadtschultheiß Regierungsrat Kellner neu aufgebaut... 1821
erbt es Kriminalrichter Karl Kellner, 1839 kauft es der Metzger
Franz Rühl und 1875 Gastwirt Georg Franz Joseph Rühl, 1897 hieß
es offiziell Rühls Hotel ‚Eichsfelder Hof', 1920 ging es in den
Besitz von Willi Lehmann über. Um 1900 war in den Hintergebäuden
(Ecke Marktstraße) ein Bierausschank, ‚Stumpfe Ecke' genannt, und
seit 8 Jahren ist nach der Wilhelmstraße zu eine Bierstube, die
‚Klause', eingerichtet.
Überliefert ist ebenfalls, dass der Dichter Theodor Storm, der
während seiner Heiligenstädter Jahre 1856 bis 1864 hier als Kreisrichter
tätig war, den "Eichsfelder Hof" besuchte. Der Sohn des Besitzers
Rühl hatte keine Ambitionen, sich beruflich mit Gastronomie und
Hotellerie zu befassen und entschied sich stattdessen für eine Juristen-Laufbahn.
Da der junge Mann zu Storms Zeit eine juristische Ausbildung am
Amtsgericht zu Heiligenstadt absolvierte, kam es zu einer Bekanntschaft
zwischen Theodor Storm und den beiden Herren Rühl.
|
|